Westküste, Wanaka und Queenstown

Am Samstag (17. September) bin ich mit dem Auto von Greymouth weiter nach Süden gefahren, die Westküste entlang. Ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, viele Pausen gemacht und mir die Gegend in Ruhe angeschaut. Dabei habe ich viele kleine Wanderungen gemacht, einige nur 20 Minuten, andere mehrere Stunden.p1100948a

Nach der ersten Nacht auf einem Campingplatz direkt am Strand bin ich am Sonntag zum Franz Josef Gletscher gekommen. Der Gletscher ist, wie die meisten Gletscher, in den letzten Jahren (Jahrzehnten) sehr stark geschmolzen und geschrumpft. Daher ist es leider nicht mehr möglich, zu Fuß auf den Gletscher zu gehen (wie vor einigen Jahren noch). p1100849a p1100858aDie einzige Möglichkeit auf den Gletscher zu gelangen ist per Hubschrauber – ein viel zu teurer Spaß. So blieb nur den 45 Minuten langen Weg zu laufen, der einen zum Aussichtspunkt, einige Hundert Meter vom Gletscher entfernt, bringt. Der Weg führt über ein mit Geröll und Steinen überhäuften Gebiet, in das der Gletscher vor einigen Jahrzehnten noch gereicht hat. Man kann richtig erkennen, wie der Gletscher die Berge an den Seiten des Tals abgeschliffen hat, und so das Tal in der Vergangenheit maßgeblich geformt hat.

Am nächsten Tag habe ich mir dann den Fox Gletscher angeschaut, ein weiterer, nur wenige Kilometer entfernter Gletscher. Auch hier kann man leider nur noch per Helikopter auf den Gletscher gelangen, und, ähnlich wie beim Franz Josef, kommt man zu Fuß nur bis auf wenige Hundert Meter an den Gletscher heran, indem man durch das Geröllfeld läuft. p1110044aBeide Gletscher sind ein Touristenmagnet und man kann anhand der Parkplätze für unzählige Autos und Reisebusse nur erahnen, wie es hier in der Hauptsaison aussieht. Auch jetzt im Winter trifft man unzählige Menschen, die ebenfalls die Gletscher besichtigen. Auch die Campingplätze hier an der Westküste sind wesentlich voller als ich es von anderen Orten (im Winter) gewohnt bin. Es gibt nur eine Straße, die die Küste entlang geht, und alle Touristen müssen (wegen der Gletscher) hier entlang fahren.

In der Nähe vom Fox Gletscher befindet sich Lake Matheson, der für seine besonders tolle Spiegelung der Alpen bekannt ist. Leider war es zu windig, als ich zum See gefahren bin, weshalb die Spiegelung nicht funktioniert hat. Ich habe mich daher entschlossen, eine weitere Nacht in der Gegend zu bleiben und am nächsten Morgen, vor Sonnenaufgang nochmal mein Glück am Spiegelsee zu versuchen. Morgens hat man nämlich die besten Chancen, dass die Spiegelung richtig funktioniert.
Nach der Nacht auf einem kostenlosen Strandcampingplatz, bin ich um 5 Uhr morgens aufgestanden, um die halbe Stunde zum See zu fahren und noch möglichst vor Sonnenaufgang dort anzukommen. Der See war absolut ruhig und hat das andere Ufer wunderbar reflektiert, aber leider war es etwas bewölkt. Nach vielleicht einer halben Stunde haben sich die Wolken dann aber zum Glück etwas gelichtet, sodass es sich doch noch gelohnt hat, so früh aufgestanden zu sein.p1110004_stitcha p1110016ba

Generell gibt es hier an der Westküste unzählige Seen und Flüsse, an denen man Campen, Angeln, Schwimmen und Pause machen kann. Ich habe mir viele auf meinem Weg angeschaut, oder bin einfach nur durch den Regenwald gelaufen. Generell regnet es (wohl) hier an der Westküste ziemlich viel, aber während meiner Zeit in diesem Teil von Neuseeland, hatte ich mit dem Wetter ziemlich Glück!

Am Mittwoch (21. September) bin ich dann in Jackson Bay angekommen. Jackson Bay ist ein sehr kleines Dorf an der Küste (im Süden der Westküste). Die Straße die zum Dorf führt endet dort einfach. Die meisten Touristen fahren gar nicht erst nach Jackson Bay, da man praktisch 50 km in eine Sackgasse fährt. Man fühlt sich echt wie am anderen Ende der Welt, in einem Dorf ohne Durchgangsstraße, Einkaufsmöglichkeit, Tankstelle oder Mobilfunkempfang. Von Jackson Bay hat man bei schönem Wetter einen tollen Blick über die gesamte Bucht, inklusive den Alpen auf der anderen Seite. p1110107_stitchaMan kann einen kleinen, vielleicht dreißig minütigen Spaziergang zu einer anderen, sehr kleinen und einsamen Bucht machen, an der man sich dann wirklich wie am anderen Ende der Welt fühlt. Dort habe ich mich hingesetzt, etwas gelesen und mein Mittagessen gegessen (kalte Nudeln vom Vortag).p1110158a

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Haastpass, einem der drei Passstraßen, die die Westküste mit dem Gebiet östlich der Alpen verbindet. Man fährt dafür tief in die Alpen hinein, um diese dann an einer flachen Stelle zu überqueren. Auch hier bin ich durch den Regenwald gewandert und habe Flüsse und Seen gesehen, die kristallklar oder türkis grün waren. Nach einer weiteren Nacht auf einem Campingplatz, habe ich dann den Haastpass überquert.p1110284a

Sobald man auf der anderen Seite vom Haastpass ist, ändert sich die Landschaft radikal. Der Regenwald verschwindet und es bleibt eine sehr trockene Graslandschaft mit nur wenigen Bäumen in den Tälern, an Flüssen und Seen. Ich hatte das Gefühl ich wäre plötzlich in einer Art Wüste gelandet. p1110069a p1110713a p1110319baDie Landschaft ist kaum mehr mit der Westküste zu vergleichen, weil ein Großteil der Wolken an den Alpen hängen bleibt, dort abregnet und auf der Ostseite kaum mehr Regen ankommt. Aber nur weil die Landschaft trocken und dadurch komplett anderes ist, heißt das nicht, dass sie nicht schön ist. Direkt hinter dem Haastpass kommt man automatisch zum Lake Wanaka, einem sehr langgezogenen See (über 300m tief), an dem auch der Campingplatz lag, auf dem ich in der kommenden Nacht geschlafen habe.p1110349a

Am nächsten Morgen habe ich dann eine etwas längere Wanderung gemacht, die mich auf den Isthmus Peak geführt hat. Der Weg zum Gipfel führte teilweise sehr steil durch die mit Gras bedeckte Landschaft. Man war praktisch den ganzen Weg über der Sonne ausgeliefert, da es ohne Bäume auch kaum Schatten gab. Nachdem man sich 3 Studen lang Berg hoch gequält hat, hatte man eine unglaubliche 360 Grad Sicht. Vor einem lag Lake Wanaka, hinter einem Lake Hawea. Zwei Seen mitten in den Bergen, schneebedeckte Gipfel im Hintergrund und tolles Wetter: Ein super Tag! Ich weiß gar nicht wie lange ich mich oben aufgehalten habe um die Aussicht zu genießen (2 Stunden vielleicht? Keine Ahnung). Nach einiger Zeit kam dann tatsächlich noch ein Neuseeländer am Gipfel an, mit dem ich dann ein Stück zusammen Berg runter gelaufen bin.p1110553ap1110389_stitcha

Am späteren Nachmittag bin ich dann zur gleichnamigen Stadt Wanaka gefahren, die direkt am See liegt. Hier bin ich für die nächsten vier Tage geblieben und habe mir die Gegend etwas genauer angeschaut. Ein Highlight war Roys Peak, einem Berg ganz in der Nähe von Wanaka (ebenfalls ca. 3 Stunden bis zum Gipfel). Das Wetter sah zwar nicht ganz so toll aus, aber als ich oben auf dem Gipfel angekommen bin, hatte ich doch ganz klare Sicht auf Lake Wanaka. Von hier sieht der See total anders aus als vom Isthmus Peak. Viel verzweigter und ich fand schon fast unecht. Dieser Berg war mir allerdings etwas zu touristisch. Man konnte unzählige Menschen auf dem Weg nach oben sehen (es gibt ja kaum Bäume) und auch als ich oben angekommen bin, war der ganze Gipfel schon mit Touristen bevölkert.p1110647ba p1110610ba

Von Wanaka aus führt eine Schotterstraße durch ein 40 km weites Tal der Alpen (und endet dort). Dort bin ich mit dem Auto entlang gefahren und habe am Ende eine kleine Wanderung zum Rob-Roy Gletscher gemacht. Ein weitere Gletscher der sich stark verkleinert hat und den man bestaunen kann. Ich habe auf dem Campingplatz hier in Wanaka eine Deutsche getroffen, mit der ich an einem Tag Frisbee-Golf gespielt habe. Ich habe die Anlagen schon öfters hier in Neuseeland gesehen und es macht echt Spaß zu spielen! Frisbee-Golf ist – wie der Name schon sagt – ähnlich wie Golf, nur mit Frisbeescheiben (ok, das war jetzt überraschend…). Man muss von einem Startplatz seine Frisbee werfen und versuchen in eine Art Korb (das „Golfloch“ sozusagen) zu treffen. Wenn man es nicht sofort schafft (und man schafft es nicht mit einem Versuch) darf man von genau der Stelle weiter werfen, wo die Frisbee zuvor gelandet ist. Macht echt Spaß! Ich habe das noch nie in Deutschland gesehen.

p1110877aAm Dienstag (27. September) bin ich dann weiter nach Queenstown gefahren. Wenn man sich etwas mit Neuseeland beschäftigt und sich überlegt, was man alles sehen möchte, stößt man zwangsläufig auf Queenstown. Die Stadt ist dafür bekannt, dass man sich hier besonders gut von Brücken stürtzen, aus Flugzeugen springen oder Wasserski fahren kann. Außerdem gibt es hier sehr viele Kneipen und wenn man einen der berühmten Burger essen möchte muss man locker mal eine Stunde dafür anstehen. Seit Wellington (der Hauptstadt) habe ich nicht mehr so viel Verkehr und so viele Menschen an einem Ort gesehen. Ich war richtig schockiert, als ich bei meiner Ankunft plötzlich im Stau stand!
Die Stadt liegt an einem wunderschönen Ort, direkt am Lake Wakatipu und umrundet von Bergen. An meinem ersten Tag bin ich mit dem Auto knappe 50 km bis zum Ende des Sees gefahren. Eine echt sehr schöne Strecke immer direkt am See entlang. Am Ende der Straße liegt ein kleines Dorf mit dem Namen Glenorchy, in dem man Kaffee trinken und etwas herum spazieren kann. In der Vergangenheit war das hier ein Bergbaugebiet mit vielen Mienen, und ich habe eine kleine Wanderung zu noch erhaltenen Bergbauhütten gemacht. p1110744a p1110759aÄhnlich wie in Wanaka gibt es gleich neben Queenstown einen Berg mit unglaublicher Aussicht über Queenstown und den See. Auch um auf den Gipfel vom Ben Lomond zu gelangen braucht man ca. 3-4 Stunden. Und auch hier wird man mit einem atemberaubenden Panorama belohnt.p1110840ba p1110845a

Wenn man alleine reist ist man tatsächlich viel offener zu anderen Menschen. So habe ich bisher auf fast all meinen Ausflügen und Wanderungen immer Leute getroffen, mit denen man sich etwas unterhält und dann für den Rest des Auf- oder Abstiegs zusammen unterwegs ist. Viele kommen aus Deutschland, oder zumindest Westeuropa, aber ich habe auch Menschen aus Israel, Amerika oder Singapur getroffen.

Heute (30. September) geht es weiter Richtung Dunedin an der Ostküste, und von da aus am Meer entlang bis zur Südspitze von Neuseeland.

1 Kommentar

  1. Hallo Jens,

    das sind ja unvergessliche Ausflüge und Bilder, die Du machst. Und das Auto macht alles mit ? Ohne Panne ?
    Wenn man aus der Natur in die Stadt kommt, ist es wirklich schockierend. Das hatte ich damals in Norwegen auch ähnlich empfunden. Ich konnte mich gar nicht an Oslo so schnell gewöhnen.
    Nun wirst Du ja an der Westküste am Meer eine neue Tierwelt sehen. Ich war heute morgen überrascht, als Du dort einen Pinguin angetroffen hast. Das habe ich nicht erwartet, aber das steht sich in Deinem neuen Blog. Nun ist es ja nur noch eine kurze kurze Entfernung an die Südküste der Südinsel. Dann hast Du ganz Neuseeland abgefahren. Tolle Eindrücke.
    Du schreibst so lebendig, dass man meint, alles mit zu erleben.
    Bis bald, Gruß Papa

Kommentare sind geschlossen.