Milford Sound und Doubtful Sound

Milford Sound

Nachdem ich den Kepler Track gut überstanden und ich mich am nächsten Tag ausgeruht hatte, habe ich mich auf den Weg zum Milford Sound gemacht. Milford Sound ist ein kleiner Fiord im Norden vom Fiordland, den man über die eine ca. 120 km lange Straße erreichen kann. Die Straße Endet dann in Milford Sound und man muss die 120 km wieder zurück nach Te Anau fahren – einen anderen Weg aus dem Fiordland heraus gibt es nicht.

p1120867_stitchaWährend des Kepler Tracks hatte ich zum Glück super Wetter, kaum eine Wolke am Himmel und kein Regen. Ein paar Tage später (Montag 17. Oktober) sah das ganz anders aus. Im gesamten Nationalpark war Regen vorher gesagt und in Milford Sound wurden 80 mm Regen alleine in der Nacht von Montag auf Dienstag erwartet. Milford Sound ist einer der regenreichsten Gebiete auf der Erde. Im Jahr regnet es 7000 bis 9000 mm! Zum Vergleich: Der Durchschnittswert für Deutschland lag 2005 bei 688 mm. Diese Regenmenge hat mich am Montag aber nicht davon abgehalten zum Milford Sound zu fahren. Im Gegenteil! Gerade bei Regen soll die 120 km lange Straße besonders beeindruckend sein!p1130005_stitchaNachdem ich von Montag auf Dienstag auf einem Campingplatz auf halber Strecke verbracht habe und dabei nicht weggeschwemmt worden bin, bin ich am Dienstag weiter zum Milford Sound gefahren. Je näher ich dem Ende der Straße gekommen bin, desto mehr Wasserfälle sind auf beiden Seiten der Straße aufgetaucht. p1120987_stitchap1120885ap1120898aUnzählige Wasserfälle, mit enormen Wassermassen. Super beeindruckend, wie viel Kraft Wasser haben kann, eine echte Machtdemonstration der Natur! Die Straße ist durch diese Naturgewalten sehr wartungsanfällig. In den paar Tagen, in denen ich im Fiordland unterwegs war, war die Straße 3 mal gesperrt. Außerdem fahren mehrmals die Stunde Straßenwachten Patrouille. Man muss, um zum Milford Sound zu gelangen, durch einen 1,2 km langen, einspurigen Tunnel fahren, der mitten durch einen Berg geht. Vor dem Tunnel kann es passieren, dass man bis zu 20 Minuten (ganz genau von umherfliegenden Kea beobachtet) vor der Ampel warten muss, bis der Gegenverkehr durchgefahren ist und man selber in den Tunnel fahren darf! Video1 p1120922a p1130021ap1120932a

Hinter dem Tunnel kommt dann aus meiner Sicht der beste Abschnitt der Strecke. Man kann mit dem Auto auf dem Seitenstreifen parken und die Wasserfälle bestaunen. Überall um mich herum waren Wasserfälle! Ich bin mir sicher, dass ich alleine an dieser Stelle mehr Wasserfälle gesehen habe als andere in ihrem ganzen Leben. Gefühlt die gesamte Felswand bestand aus Wasserfällen. Video2 Video3 Video4p1130017_stitcha

Bei Milford Sound angekommen, bin ich ein bisschen herum gegangen und habe – im strömenden Regen – mir das Dorf angeschaut. Es ist eigentlich nicht mal ein Dorf: Außer einem Hafen, einem Cafe, dem Flughafen (!) und einer einzigen Übernachtungsmöglichkeit gibt es hier eigentlich nicht viel. Trotzdem ist es ein Pflichtprogramm für jeden Touristen. Die meisten fahren zum Milford Sound, um eine Bootstour durch den Fiord zu machen. Ich habe diesen „Programmpunkt“ aber gestrichen, da es erstens in Strömen geregnet hat (und man eh nichts gesehen hätte), und ich zweitens eine etwas größere Bootstour in einem anderen Fiord ein paar Tage später geplant habe…  Video5

Doubtful Sound Overnight Cruise

Die Bootstour die ich (am 20. Oktober) gemacht habe ging zum Doubtful Sound und hat 24 Stunden gedauert, von Mittag bis zum Mittag am nächsten Tag (also mit Übernachtung!). Der Doubtful Sound ist sehr weit von der Zivilisation abgelegen. Um ihn zu erreichen, mussten wir erst mit einem Boot ca. eine Stunde lang den Lake Manapouri überqueren (es war super stürmisch), und dann mit einem Reisebus eine weitere Stunde über den Wilmot Pass (mit ca. 670m über NN der tiefstegelegene Pass in Neuseeland) die Alpen überqueren. Vom Wilmot Pass aus hatten wir dann die erste Möglichkeit den Doubful Sound aus der Entfernung zu sehen!p1130081ap1130121aIn Deep Cove (Anlegeplatz mit 2 Einwohnern) hat dann das Schiff auf uns gewartet, mit dem wir durch den Fiord fahren würden. Wir hatten super Glück mit dem Wetter! Anfangs noch bewölkt mit ganz leichtem Regen, wurde es immer besser und besser! Die meisten Overnight Cruises finden hier bei schlechtem Wetter statt, denn auch hier regnet es – ähnlich wie im Milford Sound – bis zu 9 Meter im Jahr!p1130128ap1130309a

Die Fiorde waren unbeschreiblich! So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen (Ich war auch noch nie in Skandinavien). Der Fiord wurde mit Bergen gesäumt, die teilweise mehr als 1000m hoch sind. Wie hoch die Berge tatsächlich sind konnte man nur erahnen, wenn man ein anderes Schiff im Verhältnis zur Landschaft sehen konnte (und während der ganzen Tour haben wir nur 2 andere Schiffe gesehen), oder wenn die Baumgrenze, die hier bei ca. 900m liegt, erkennbar war. p1130151_stitchaWir sind den gesamten Fiord bis zum offenen Meer entlang gefahren. Die ganze Fahr über wurde die Landschaft regelmäßig von einem Mitarbeiter über die Bordlautsprecher kommentiert, und man konnte Fragen stellen. So hat man viel Hintergrundwissen über die Entstehung des Gebiets und über die Natur bekommen. Was ich ganz interessant fand war, dass die Namensgebung eigentlich komplett falsch ist. Eigentlich alle Sounds (Milford Sound, Doubtful Sound, etc) hier in der Gegend sind gar keine Sounds sondern Fiorde! Sounds wurden nämlich durch Flüsse gebildet, Fiorde hingegen durch Gletscher. Der Gletscher der den Doubtful Sound „ausgehöhlt“ hat, war (angeblich) zu Spitzenzeiten 1400m hoch.p1130271ap1130146aAn der Mündung vom Fiord ins offene Meer haben wir Pinguine und Seehunde sehen können, bis wir wieder tiefer in den Fiord rein gefahren sind. Am späteren Nachmittag konnte man, wenn man wollte, Kayak fahren. Das war ziemlich cool, weil man so das ganze Schiff mal von etwas weiter weg sehen konnte und es möglich war, die Küste etwas genauer zu erkunden! p1130220a p1130188a p1130191a p1130214a p1130219aNach der kleinen „Wassersportpause“ sind wir in einen Seitenarm vom Doubtful Sound – genauer in den Bradshaw Sound – gefahren. Auf dem Weg dahin (es war mittlerweile fast 20 Uhr) gab es dann das Abendbuffet. Eigentlich hatte man gar keine Zeit zum Essen, die Landschaft war viel zu schön und ich wollte gar nicht vom Deck runter, auf dem ich mich die ganze Zeit aufgehalten habe!p1130491_stitchap1130376_stitchaAber für das Essen hat es sich dann doch gelohnt. Das mit Sicherheit luxuriöseste Essen, was ich hier in Neuseeland gegessen habe. Ein riesen Buffet, von dem man sich so viel nehme konnte wie man wollte. Nach zwei großen Portionen war ich so satt, dass ich kaum mehr die 5 verschiedenen Kuchen, die es zum Nachtisch gab, probieren konnte. p1130371a Und das ganze während des Sonnenuntergangs, den wir aus dem Fenster  (mehr oder weniger gut) beobachten konnten. Die meisten konnten sich nicht zurückhalten und musste ab und zu aufs Deck gehen, um diesen Moment auch auf Kamera festhalten zu können!p1130387_stitchaGanz am Ende vom Bradshaw Sound hatten wir dann unseren Platz für die Nacht erreicht, an dem wir bis zum nächsten Morgen ankerten.

So weit weg von jeglicher Zivilisation, ohne Lichtverschmutzung, Mobilfunk oder Lärm, konnte man die Nacht draußen auf dem Deck richtig genießen! Wir hatten eine sternenklare Nacht, sodass man einen perfekten Sternenhimmel über einem hatte. Am anderen Ende der Welt, inmitten der Natur. Einer der Mitreisenden hatte ein Fernglas mit, mit dem wir die Sterne noch genauer bestaunen konnten!

Ich war in einem kleinem Vierbettzimmer untergebracht, in dem ich aber glücklicherweise (also nicht dass es mich gestört hätte, wenn andere da gewesen wären) ganz alleine war. Ein großer Vorteil, wenn man nicht in der Hauptsaison unterwegs ist! p1130227aAm nächsten Morgen habe ich mir den Wecker auf 6 Uhr gestellt, um noch vor Sonnenaufgang wieder auf dem Deck zu sein! Ich habe mir nämlich gedacht, dass ich auch ein anderes mal schlafen kann – im Doubtful Sound bin ich nur einmal! Wir sind früh Morgens weiter gefahren, sodass ich wieder nur ungern rein gegangen bin, um das Frühstücksbuffet zu plündern. Die Landschaft war so schön, dass ich kaum aufhören konnte Fotos zu machen! In den 24 Stunden, die diese Tour ging, habe ich mehr als 600 Fotos gemacht (zum Glück sind die Zeiten mit Filmen auf denen 32 Fotos passen vorbei), und den anderen ging es genau so. Es war echt schwer zu entscheiden, welche Fotos ich hier mit einstellen sollte…p1130360ap1130349_stitcha

Wir sind wieder zurück zum Doubtful Sound gefahren, und haben am frühen Vormittag einen Abstecher in den Hall Arm gemacht. Alleine diese Arm vom Doubtful Sound ist genau so lange wie der gesamte Milford Sound! Am Ende vom Hall Arm hatte die Crew was ganz besonderes vor: Wir sollten uns draußen auf das Deck hinsetzen, nicht herumlaufen und keine Fotos machen (sie nannten das die „Fotochallenge“ weil es so schwer ist mal 15 Minuten keine Fotos zu machen). Dann wurden alle Maschinen (Motor, Stromgeneratoren, etc) vom Schiff ausgeschaltet, sodass es absolut still war. Man konnte so viele Geräusche von dieser unberührten Natur hören: Plätscherndes Wasser, Vögel, Wind, …p1130552ap1130487aUnd die Natur hier im Doubtful Sound ist unberührt! Weil die Gegend so schwer erreichbar ist, wurden hier nie Siedlungen gebaut oder Rohstoffe gefördert. Es ist also alles genau so wie seit Hunderten von Jahren.p1130546_stitcha

Auf dem Rückweg vom Hall Arm haben wir dann auch noch Delfine gesehen. Erst nur von Weitem, dann aber ganz nah am Schiff. Die Delfine hatten richtig Spaß daran neben uns her zu schwimmen und auf dem vom Boot erzeugten Wellen zu reiten. Unglaublich! Minuten lang konnten wir ihnen zuschauen, bis sie sich wieder von uns verabschiedet haben. Video6 Video7 Video8p1130523ap1130354a

Dann waren wir aber leider schon wieder fast zurück in Deep Cove, wo unsere Reisebus uns wieder über den Pass bringe würden. Danach ging es dann wieder eine Stunde über den Lake Manapouri zurück zu den geparkten Autos.

Das waren vielleicht die besten 24 Stunde hier in Neuseeland! Eine unglaubliche Tour durch so abseits gelegene Fiorde. Es war eine echte Luxustour und ich bin unglaublich froh, dass ich sie gemacht habe!!p1130534ap1130498_stitcha