HelpX: Greymouth

Jetzt bin ich doch wesentlich länger bei der HelpX Familie hier bei Greymouth geblieben, als ursprünglich geplant. Aber die letzten mittlerweile zweieinhalb Wochen waren echt super!

Ich bin am Mittwoch (31. August) Mittags hier bei der Familie angekommen. Nachmittags ging es dann auch sofort mit dem Arbeiten los: Wir haben zu dritt (Noel, Rachel und ich) Feuerholz gespalten, und zum Trocknen in den dafür vorgesehenen Schuppen gestapelt. 20160901_102037_stitchaObwohl die Arbeit mit immer den selben Handgriffen sehr monoton war, ging die Zeit (überraschender Weise) sehr schnell vorbei. Ich denke, dass lag daran, dass wir zu 3. in einem Team gearbeitet haben, und man immer konzentriert sein musste. Man wollte ja weder seine eigenen Finger noch die eines anderen mit der Spaltmaschiene abtrennen 😀  Video20160901_103825a

20160903_125748aNach 4 (?) Tagen Holzspalten, war es dann endlich geschafft, und wir haben das gesamte Holz gespalten und verstaut! Die weiteren Tage habe ich dann ganz unterschiedliche Jobs gemacht. Rachel und Noel sind hier in der Gegend für ca. 20 Ferienhäuser / -Villen Hausmeister und Gärter in einem, und sorgen dafür, dass die Häuser der – meistens sehr reichen – Besitzer ordentlich, gepflegt und gut in Stand bleiben. Einen Großteil meiner Arbeit bestand also darin, in den Gärten zu helfen, Unkraut zu entfernen, Bäume, Hecken und Sträucher zu stutzen, Unkrautvernichter zu sprühen, das Feuerholz aufzufüllen, und und und. Arbeit gab es also reichlich und es war sehr abwechslungsreich! Was mit besonders gut gefallen hat war, dass ich – im Gegensatz zu den anderen HelpX Familien – die meiste Zeit zusammen mit Rachel und Noel gearbeitet habe! So hatte ich sehr viel Kontakt zu meinen Gastgebern und ich konnte eine Menge lernen!20160904_121603a
Abends haben wir dann zusammen mit Thomas, Rachel und Noels 8 jähriger Sohn, gegessen und danach haben Thomas und ich oft noch zusammen eine Runde Schach gespielt, bevor Thomas schlafen gehen musste.

Ein weiterer Unterschied, zu den anderen HelpX Familien, bei denen ich bisher war, war, dass ich nicht 4 Stunden am Tag gearbeitet habe, sondern 6. Dafür hatte ich dann ungefähr jeden dritten Tag frei. (Also nicht dass ich genau die Stunden gezählt hätte, aber so war der Plan). Das Gute an dem Rhythmus ist, dass ich immer einen ganzen Tag freit und dadurch viel mehr Zeit hatte, auch etwas längere Ausflüge und Wanderungen zu machen! Ich habe dann immer ein Lunchpaket bekommen, was ich auf meinen Ausflügen dann essen konnte.

p1100160_stitchaMein erster Ausflug ging zum Castle Hill, einem Gebiet voller riesiger (!) Steine. Da Rachel und Thomas an dem Tag nach Christchurch mussten, wurde ich von ihnen mitgenommen und beim Castle Hill abgesetzt. Es klingt jetzt nicht besonders spannend zu einem Haufen Steine zu fahren, aber ich habe fast 6 Stunden damit verbracht, einfach durch die unterschiedlichsten Gesteinsformationen zu laufen und zu klettern. p1100169_stitchabWenn man einmal durch all die Felsen läuft, entdeckt man immer mehr komplett unterschiedliche Formen, Höhlen und Klettergelegenheiten, und ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist! Außerdem war ich schon gegen 9 Uhr morgens dort, sodass ich die ersten 2 oder 3 Stunden komplett alleine war, bis andere Touristen – meistens nur für einen kurzen Stopp – auftauchten. Die Felsen waren teilweise einige Stockwerke hoch, und beim Klettern musste man aufpassen, dass man nicht zu nahe an den Rand kam! p1100186a p1100215_stitchaObwohl ich hier so viele Stunden auf Entdeckungstour war, habe ich das Gefühl nur einen Bruchteil erkundet und gesehen zu haben. Es war ein bisschen wie in einem Irrgarten, in dem man sich leicht verirren konnte, wenn man nicht aufpasst. Ich habe zum Beispiel am Vormittag meine Tasche versteckt, da ich sie nicht die ganze Zeit mit mir rumtragen wollte, und dann Mittags 15 oder 20 Minuten gebracht, bis ich die Stelle wieder gefunden habe. Zum Glück hab sie sie gefunden, ich hatte nämlich ziemlich Hunger!p1100377a p1100354a p1100299_stitcha p1100229_stitcha

Am Nachmittag habe ich dann das erste Mal in meinem Leben gehitchhiked. Ich hatte mit Rachel besprochen, dass sie mich auf dem Weg zurück von Christchurch entweder am Castle Hill abholt (falls ich den ganzen Tag dort bleibe), oder am Arthurs Pass, ca. 50 km weiter auf der einzigen Straße weit und breit. Ich wurde also von zwei Neuseeländern mit schrecklichen Musikgeschmack eine knappe Stunde lang zum Arthurs Pass mitgenommen, wo ich noch ungefähr zwei Stunden eine kleine Wanderung machen konnte, bis Rachel mich wieder aufgesammelt hat. Wir hatten verabredet, dass ich einen Stein auf den Zaun am Castle Hill lege, als Zeichen, dass ich weiter gefahren bin, falls meine SMS, aus was für einen Grund auch immer, nicht ankommen sollte.

Mir wurden von Noel und Rachel vor jedem freien Tag viele Ausflugsziele vorgeschlagen, und Tipps gegeben, wie ich was wo machen sollte. Ich fand das echt super, da ich so die besten Orte hier an der Westküste entdecken und bewundern konnte, auch solche, wo ich sonst wahrscheinlich niemals hingegangen wäre!

An einem sehr stürmischen Tag wurde ich zum Beispiel bei Flut und bis zu 5 Meter hohen Wellen nach Punakaiki zu den Pancake Rocks geschickt. Hier spült das Meer die Steine immer weiter aus und bildet unzählige Risse und Höhlen. Das besondere an diesem Ort ist, dass die Wellen in die Höhlen und Risse gelangen und dann durch den hohen Druck nach oben geschossen werden, sodass sie mehrere Meter über dem Meeresspiegel aus dem Steinen geschossen kommen.p1100418a Es sieht ein bisschen aus wie ein Dampfventil, aus dem Dampf geschossen kommt! Aufgrund der Flut und des Sturms war der Effekt natürlich besonders beeindruckend, und man wurde, wenn man an der falschen Stelle stand, durch die aus dem Stein schießenden Wellen und dem Wind sehr nass. Video1 Video2

p1100474_stitchiaEin weiterer Ausflug hat mich zum Croesus Track geführt. Die Wanderung hat alleine für den Hinweg vielleicht drei Stunden gedauert. Stetig Berg auf ging der Weg erst durch einen dichten Wald und dann oberhalb der Baumgrenze weiter durch raue Gras- und Steinlandschaften. p1100507_stitchea p1100539aAuf dem Gipfel angekommen waren aber alle Mühen vergessen! Ich hatte einen unglaublichen 360 Grad Blick! Vor mir hatte ich einen gigantischen Blick auf die Südalpen, die sich von links nach Rechts vor mir erstreckten (leider bei weitem nicht so gut auf den Fotos zu erkennen). Hinter mir konnte ich noch andere Berge und das Meer sehen. Ich habe mich bei wolkenlosen Himmel oben auf den Berg gesetzt, mein Lunchpaket gegessen, und einfach die Zeit und das Panorama genossen! Danach ging es weiterer 3 Stunden zurück zum Auto und dann zum heiß ersehnten Abendessen!20160910_1440350a 20160910_131827a

Ein dritter atemberaubender (langsam gehen mir die Adjektive aus) Ausflug ging wieder zum Foxriver, bei dem ich schon auf meinen Weg nach Greymouth einen Stopp eingelegt hatte. Am Meer bin ich zu einer kleinen Höhle gelaufen, die durch die Gezeiten immer weiter ausgehöhlt werden (wie überall hier an der Westküste). Noel und Rachel hatten natürlich alles bedacht und mich bei Ebbe hier hin geschickt, sodass ich durch die Höhle laufen konnte, und am Strand mir die verschiedenen, vom Meer ausgehöhlten und geformten Steine, anschauen konnte. p1100564a p1100561a p1100567ap1100577aDanach bin ich wieder zurück zum Foxriver gelaufen, wo ich die eigentliche Wanderung gemacht habe. Diesmal bin ich aber nicht zu den Höhlen gelaufen (wie bei meinem Stopp vor einer Woche), sondern habe eine andere Abzweigung genommen, um zum Ballroom Overhang zu kommen. Auf dem Weg musste ich 8 Flussüberquerungen (und auf dem Rückweg natürlich alle nochmal) machen, bei denen ich teilweise durch hüfthohes Wasser laufen musste.p1100686a p1100668_stitcha p1100596a Der Weg war also über Steine, durch Flüsse und über Hügel sehr mühsam und hat ca. 2 Stunden gedauert. Als ich dann beim Ballroom Overhang angekommen bin, habe ich mit dem mitgebrachten Streichhölzern und Zeitungen ein kleines Feuer gemacht und die Marshmallow geröstet!p1100609a Im Sommer ist dies ein sehr beliebtes Ausflugsziel aber auch hier bin ich keiner Menschenseele begegnet. Man muss schon sehr motiviert sein, die Flüsse im Winter zu überqueren (obwohl es jetzt auch nicht soooooooo kalt war). Zurück am Auto habe ich dann einen warmen Tee getrunken und mir trockene Klamotten angezogen.

Kurz nachdem ich mich wieder auf den Weg zurück zur Familie gemacht habe, kam ich zu einer Straßensperre!p1100739a Die einzige Küstenstraße, war komplett gesperrt, da es am Nachmittag eine sehr große Rutschung gegeben hatte, die die gesamte Straße für 3 Tage blockieren sollte. p1100735a Im ersten Moment wusste ich nicht genau, was ich jetzt tun sollte. Aber es gab eigentlich nur eine Möglichkeit: Ich musste über Westport und Reefton einen Umweg von ca. 180 km fahren, was auf neuseeländischen Straßen und im Dunkeln fast 3 Stunden gedauert hat! Das ist der Nachteil, wenn man in einem Land wie Neuseeland unterwegs ist. Manche Straßen haben keine wirkliche Alternativroute, die nicht mehrere Stunden dauert. Aber so ist das halt.

20160914_093227a20160914_082717aAnsonsten habe ich noch ein paar kleine Ausflüge gemacht, wie Kayak fahren auf dem Lake Brunner, Jagen gehen mit Noel (wir haben nichts gefunden) und: Goldwaschen! Die Gegend hier war um 1880 eine sehr große Goldgräberstädte, die mehrere Tausend Goldgräber angelockt hatte. Aber auch heutzutage gibt es hier noch mehrere Goldminen, in denen Erde in große Maschinen gekippt wird, die das Gold auswaschen. Gestern, am letzten Tag, hat mich Noel zu einem nahe gelegenen Bach mitgenommen, in dem wir dann Gold auf die alte Art und Weise gewaschen haben. Wir haben tatsächlich kleine Goldkrümmel / -Staubkörner auswaschen können, aber die sind leider soo klein, dass man sie nicht aufbewahren kann. Trotzdem hat das auch im Regen irgendwie Spaß gemacht. Wo würde ich sonst jemals so etwas machen!?20160916_082716a

Mitten in meinem Aufenthalt hier, hat sich die Familie – wie jedes Jahr – 10 Kälber zugelegt, die sie mit Milchpulver aufziehen, knappe 2 Jahre auf den Weiden halten und dann wieder verkaufen. Ich habe ab und zu dabei helfen können die Kälber zu füttern! Video20160915_173430a20160915_173423aMan glaubt gar nicht, wie viel Arbeit es ist, ein paar Kälber zu versorgen und wie schnell (nach gerade mal einer Woche) sie kräftiger werden und ihre Zähne anfangen weh zu tun!Leider ist nach wenigen Tagen eines der Kälber gestorben, da es sich irgendwie am Zaun verfangen hatte und dann durch zu viel Gas im Magen (?) verendet ist. Hoffentlich passiert den anderen 9 Kälbern nichts! Aber leider kann man so etwas nicht immer verhindern…20160909_163117a20160913_1636380a

Heute Morgen habe ich mich hier verabschiedet, und breche nun weiter Richtung Süden auf! Ich habe hier an der Westküste wirklich sehr viel gesehen und gelernt und ich hatte eine tolle Zeit bei Noel, Rachel und Thomas!
Natürlich haben sie mir auch noch einige Orte gesagt, die ich auf meinem Weg nach Süden auf keinen Fall verpassen darf! Ich habe also ein volles Programm und freue mich auf die nächsten Tage und Wochen hier in Neuseeland!

Ich freue mich immer von euch zu hören!
Bis bald!

1 Kommentar

  1. Guten Tag Herr Harder!
    Herzlichen Dank für Ihre Postkarte. Meine Frau und ich wünschen Ihnen weiterhin eine erlebnisreiche Zeit bei bester Gesundheit.
    Elfie und Dieter Marx

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