Great Walk: Tongariro Nothern Circuit

Der Tongariro Nationalpark ist der älteste Nationalpark in Neuseeland. Hier gibt es unzählige kurze, Tages- und Mehrtages-Wanderungen. Einer der bekanntesten (und mit ca. 100.000 Menschen pro Jahr beliebtesten) Tageswanderungen von Neuseeland ist das Tongariro Crossing. Dieses führt über einen Pass zwischen Mt. Tongariro (1978 m. über NN) und Mt. Ngauruhoe (2291 m. über NN) (besser bekannt als „Schicksalsberg“ aus Herr der Ringe) über das Gebirge.

Tongariro Northern Circuit

Unser Plan war allerdings nicht, dieses berühmte Crossing zu machen, sondern den Tongariro Northern Circuit. Dieser dauert 4 Tagen (3 Hüttenübernachtungen), und geht einmal um den Schicksalsberg (Mt. Ngauruhoe) herum. Es ist außerdem einer der neun Great Walks hier in Neuseeland, von denen ich bereits vier gemacht habe, zwei davon mit Daniel und Christina zusammen. Es ist aber nicht so, dass wir auf das Tongariro Crossing komplett verzichten würden, der zweite Tag des Great Walks beinhaltet nämlich einen Großteil (den schönsten Teil) des Crossings, auf dem sich bei gutem Wetter unzählige Menschen über den Pass quälen.p1140779a

Nachdem wir den ursprünglich geplanten Start unserer Wanderung wegen Dauerregen um zwei Tage verschoben hatten, ging es dann für Christina, Daniel und mich am Freitag (18. November) los.p1140812a p1140797a

Der erste Tag war relativ kurz und wir mussten nur ca. 3 Stunden laufen, bis wir zur ersten Hütte (Magatepopo Hut) angekommen sind. Es ging durch eine karge Landschaft und über kleine Flüsse, immer mit Blick auf den aus der Landschaft herausstechende Mt. Ngauruhoe. Das Wetter war sehr wechselhaft: Vormittags änderte sich das Wetter von Schnee zu Schneeregen und weiter bis zum Sonnenschein fast im Minutentakt. Aber je länger wir liefen, desto besser wurde das Wetter und damit die Sicht auf die Landschaft um uns herum! p1140929a p1140923_stitchaLeider war die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht so vielversprechend, und so haben wir uns dazu entschieden, unsere Rucksäcke bei der Hütte zu lassen, und ohne schweres Gepäck für ein oder zwei Stundenden den Anfang vom Weg vom nächsten Tag schon einmal zu machen – nur falls das Wetter (und vor allem die Sicht) so schlecht werden sollte wie vorhergesagt. Wir hatten eine super Aussicht, und obwohl es schon relativ spät war haben wir noch einige Menschen auf dem Passweg getroffen.dsc07631a

Am nächsten Tag waren wir sehr froh, dass wir diesen kleinen Ausflug am Vortag gemacht hatten. Das Wetter war nämlich tatsächlich so schlecht wie vorhergesagt – vielleicht sogar noch schlechter… Wir sind den ganzen Tag über durch dichten Nebel mit – schwer zu schätzen – vielleicht 20 – 30 Meter Sicht gewandert. Dazu kam ein sehr starker Wind, sodass der Regen fast Waagerecht auf uns zu kam. So ging es über den Pass. Teilweise war der Wind so stark (weit über 100 km / h, wie wir später erfahren haben), dass man Mühe hatte auch nur stehen zu bleiben. Nicht sehr hilfreich, wenn es rechts und links vom Schotterweg steil bergab geht. Wie weit wussten wir nicht, man konnte ja nichts sehen! dsc07661ap1140963a p1140948a Christinas Regenschutz wurde von einer der Böhen erfasst und weggeblasen, sodass ihr gesamter Rucksack, und weite Teile des Inhalts komplett durchnässt wurden. Nachdem wir uns über den Pass gequält hatten, ging der letzte Teil des Wegs (das Tongariro Crossing hatten wir bereits an einer Abzweigung verlassen) relativ flach durch ein sehr eindrucksvolles Gelände. Ich hatte das Gefühl, als würde ich über die Oberfläche von Mond oder Mars laufen. Gerade wegen dem Neben wirkten die großen Steinhaufen rechts und links vom Weg sehr mystisch.dsc07688a dsc07670a Nach einigen weiteren Kilometern waren wir dann aber doch sehr froh, als wir nach vielleicht 5 Stunden wandern endlich (!) in der Oturere Hut angekommen sind. Wir waren die ersten in der Hütte, und so konnten wir uns erst einmal breit machen, und unsere nassen Sachen über dem Gasofen zum trocknen aufhängen. Es war sehr Schade, dass es ausgerechtet an diesem Tag – dem Tongariro Crossing über den Bergpass – so schlechtes Wetter war. So konnten wir nicht erkennen, was diese Wanderung – eine der beliebtesten in Neuseeland – so besonders macht.

Die Nacht war extrem windig. Ich bin durch den Wind andauernd aufgewacht, weil ich das Gefühl hatte, dass gleich die Hütte auseinander bricht (das ganze Hochbett hat vibriert). Am nächsten Morgen haben wir vom Ranger – der in der Hütte stationiert ist – erfahren, dass der Wind in der Nacht Geschwindigkeiten von mehr als 170 km / h gehabt hatte.p1150224_stitcha

Am nächsten Tag war der Sturm dann vorbei. Das Wetter war zwar nicht perfekt, aber wesentlich besser als am Vortag. Daher sind wir mit zwei anderen, die wir in der Hütte kennengelernt haben, ohne Gepäck ein bisschen zurück zum Pass gelaufen, um wenigstens ein bisschen von dem zu sehen, was wir am Vortag verpasst hatten.
Zurück bei der Hütte haben wir dann eine Kleinigkeit zu Mittag gegessen und uns Richtung nächste Hütte auf den Weg gemacht. Dieser dritte Tag ging durch eine Steinwüste am Fuße vom Mt. Ngauruhoe. Es gab kaum Pflanzen und damit so gut wie keinen Schatten in dieser kahlen Landschaft, sodass die Sonne (mittlerweile war das Wetter ziemlich gut) die ganze Zeit auf uns geknallt ist.p1150294_stitcha p1150276a dsc07777a Nach knapp drei Stunden sind wir dann in der nächsten Hütte (Waihohonu Hut) angekommen. Die auf diesem Great Walk mit Abstand modernste Hütte! Es gab einen riesen Aufenthaltsraum mit großen Fenster aus denen man auf den Schicksalsberg blicken, und den Abend genießen konnte.dsc07816a

Der letzte Tag ging dann innerhalb von 5 Stunden zurück zum Ausgangspunk. Wir haben einen kleinen Abstecher zu zwei Seen gemacht, die am Fuß von Mt. Ngauruhoe liegen. Man konnte richtig merken, dass man dem Dorf immer näher kam, da es auf diesen Teil der Strecke wieder ziemlich viele Touristen gab, die eine Tageswanderung zu den Bergseen gemacht haben. Und damit war dann mein fünfter Great Walk hier in Neuseeland zu Ende! Eine super Wanderung, durch ein sehr sehr eindrucksvolles Gebiet!p1150341_stitcha

Tongariro Alpine Crossing

Auch wenn ich sehr zufrieden mit dem Great Walk war, fand ich es doch ein bisschen traurig, dass wir am zweiten Tag, bei der Überquerung des Passes, so schlechtest Wetter gehabt haben. Ich habe mich daher dazu entschieden, dass Tongariro Crossing noch einmal als Tagestour zu machen. Die Wettervorhersage für den nächsten Tage war nämlich ziemlich gut! Da Daniel und Christina den Pass nicht noch einmal überqueren wollten, habe ich mich von beiden verabschiedet und habe die Nacht auf einem Campingplatz im Nationalpark verbracht. Christina und Daniel sind weiter Richtung Norden gefahren, und wir werden uns in Auckland wieder treffen.p1150365a

Am Abend habe ich dann noch ein Shuttel für den nächsten Morgen gebucht. Mein Plan war nämlich (und das machen die meisten so), mein Auto am Ende der Wanderung abzustellen, und mit einem Bus zum Start zu fahren. So hat man dann den ganzen Tag Zeit, um die knapp 20 km Wanderung zurück zum Auto zu machen. Ich habe mich für das frühst möglichste Shuttel entschieden, um den gesamten Tag im Nationalpark verbringen zu können. So ging dann am nächsten Morgen um 6.30 Uhr am Parkplatz das Shuttle los, um mich mit einigen anderen zusammen zum Start bringen zu lassen. Gegen 7 Uhr ging dann meine Wanderung los. Das Wetter war einfach super, und trotz so früher Stunde waren schon sehr viele Menschen auf der Strecke unterwegs – ein richtiger Massentourismus! p1140852_stitchaNach ca. 90 Minuten bin ich dann schon beim ersten möglichen Abstecher angekommen. Man kann nämlich, bei so gutem Wetter wie an diesem Tag, auf den Mt. Ngauruhoe (Schicksalsberg) klettern. Laut Schild braucht man für Hin- und Rückweg von diesem Abstecher zusammen ca. 3 Stunden. Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich dies Tour zum Gipfel machen sollte, da der „Weg“ (es gibt keinen markierten Weg) über eine sehr steile Schotterpiste direkt zum Gipfel führt. Man musste praktisch auf allen Vieren (wortwörtlich!) einen Weg nach oben bahnen, wobei man bei fast jedem Schritt wieder einige Zentimeter nach unten rutschte. Es war gar nicht so ungefährlich, da es immer wieder vorkam, dass sich einzelne Steine (weit mehr als faustgroß) lösten und nach unten rollten. Man wurde daher immer wieder mit lauten Rufen vor dem Steinschlag gewarnt. (Es war wesentlich steiler als es auf dem Bild aussieht)p1150400 Trotzdem haben doch einige Menschen den Weg auf sich genommen. Es hatte sich aber auch auf jeden Fall gelohnt! Ersten stand man nach diesem super anstrengenden, gefühlt ewig dauernden Weg, auf dem Gipfel vom Schicksalsberg (wer kann das schon von sich behaupten), und man hatte dabei eine atemberaubende Aussicht auf das Tongariro Alpine Crossing weit unter sich. Man konnte sich direkt an den Rand vom Krater setzen, und sein mitgebrachtes Mittagessen essen. Es war schon irgendwie cool am Krater eines aktiven Vulkans zu sitzen! Mt. Ngauruhoe ist das letzte mal 1977 ausgebrochen und ist damit schon seit langem überfällig (davor hatte er jede 9 Jahren eine Eruption). Der letzte Ausbruch von Mt. Tongariro war sogar erst vor wenigen Jahren: 2012 ist dieser nämlich zwei Mal ausgebrochen.p1150480ap1150447_stitchap1150537_stitcha p1150548_stitcha

Nachdem ich eine lange Zeit die Aussicht genossen hatte und meine mitgebrachten Brote gegessen hatte, musste ich mich leider wieder auf den Weg nach unten machen. Der Weg runter war noch anstrengender als der Hinweg. Ich wollte auf keinen Fall Steine loslösen, da unter mir immer noch viele Menschen sich nach oben quälten. Bei jedem Schritt bin ich weit gerutscht, und so ging es dann doch relativ schnell (und mit einigen Schürfwunden) wieder zurück zum Ausgangspunkt. Dort habe ich dann erstmal meine Schuhe von den ganzen Steinen ausgeleert, und mich dann wieder auf den Weg gemacht, weiter auf dem Tongariro Crossing Richtung Auto zu laufen. Bei diesem guten Wetter konnte ich erst sehen, was wir bei unserem Great Walk alles verpasst hatten. Die Aussicht auf die Vulkankrater und Seen war sehr beeindruckend und ich konnte erkennen, wie steil es tatsächlich rechts und links vom Weg hinab ging.  (Man kann auf dem Bild sehen, dass der Weg über den Vulkan, auf dem Kraterrand entlang führt)p1150742a

Nach einigen Kilometer bin ich dann zum nächsten Abstecher gekommen. Es gab nämlich noch die Möglichkeit auf den Gipfel vom Mt. Tongariro zu laufen. Der Weg war im Gegensatz zu dem auf Mt. Ngauruhoe sehr einfach und deshalb habe ich mich dazu entschieden dieses Seitenabstecher auch noch zu machen. Nach 90 Minuten war ich wieder zurück und bin nun zügig Richtung Auto gelaufen. So langsam ging mir bei diesem heißen Wetter mein Trinkwasser aus, und ich hatte noch ca. 10 km zu laufen (zum Glück die meisten Zeit Berg ab). Es war eine sehr unwirkliche Landschaft. Kaum Vegetation, und damit auch so gut wie kein Schatten. Die Sonne knallte richtig auf einen herab, und ich musste andauernd meine Sonnencreme erneuern, um nicht vollkommen zu verbrennen. Diese Wanderung ist echt eine der besondersten hier in Neuseeland und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie so beliebt ist! Drei Giftgrüne Seen im Vordergrund und ein tiefblauer See im Hintergrund – genau das Foto, was man immer auf den Postkarten sieht, die man hier in der Gegend kaufen kann.p1150724a p1150713_stitchaEs stank teilweise stark nach Schwefel und an einigen Stellen kam Rauch aus dem Boden. Alles Zeichen, die mir verdeutlichten, dass ich durch ein aktives Vulkangebiet ging.

Auf der Rückseite vom Pass kam ich dann an einer Hütte (Ketetahi Hut) vorbei, die vor einigen Jahren (beim Ausbruch 2012) von zwei Steinen getroffen wurden, die bei einem Vulkanausbruch durch die Luft geschleudert wurden. Zum Glück war es tiefster Winter und es hat sich niemand in der Hütte aufgehalten. Ein Stein ging nämlich geradewegs durchs Dach, mitten durch zwei der Betten, bis in den Boden. Seitdem darf man in der Hütte nicht mehr übernachten, und sie wird nur noch als Rastgelegenheit genutzt. Die Beschädigungen wurden bis heute nicht beseitigt, damit man noch sehen kann, was für Kräfte hier gewirkt haben müssen.p1150793a p1150788_stitcha

Nach einer weitere Stunde wandern bin ich dann gegen 18 Uhr endlich völlig erschöpft am Auto angekommen. Mit den zwei Abstechern zu den Gipfeln von Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro bin ich in den 11 Stunden knapp 30 km gewandert, und die Höhenmeter kann man sicherlich in Kilometern zählen. Aber es hatte ich vollkommen gelohnt, und ich war froh, dass ich nach dem Great Walk noch die Motivation hatte, diesen langen Tagesmarsch zu machen.

Tongariro Nationalpark ist – bei gutem Wetter – echt ein eindrucksvolles Gebiet. Etwas ganz anderes als all die Wanderungen, die ich bisher hier in Neuseeland gemacht habe, echt einzigartig.
Es war sicherlich das letzte „große“ Highlight hier in Neuseeland, was auf meiner Liste stand. Jetzt fahre ich die nächsten paar Tage wahrscheinlich an der Westküste entlang immer weiter Richtung Norden. In Auckland werde ich dann Christina und Daniel wiedertreffen, das Auto verkaufen, und dann auf meinen Flug nach Dubai warten.
Nach wenigen Tagen Dubai geht es dann Mitte Dezember zurück nach Deutschland.

Bis bald.

1 Kommentar

  1. Danke für deinen interessanten Bericht! Ich bewundere, dass du trotz aller Anstrengungen und widriger Wetterverhältnisse das Land weiter erkundest. Wie „normal“ und alltäglich wirst du das Leben in Deutschland wieder empfinden?
    Ich wünsche dir in der verbliebenden Zeit noch spannende Eindrücke und Begegnungen! Sei ganz herzlich gegrüßt und genieße die restlichen Adventstage auf der anderen Seite der Weltkugel!
    Martina

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