Great Walk: Lake Waikaremoana

Nachdem Christina, Daniel und ich uns am Mittwoch Vormittag relativ spontan dazu entschieden hatten, den Great Walk Lake Waikaremoana zu machen, sind wir Mittags zur nächstgrößeren Stadt Rotorua gefahren, um für unsere Wandertour einkaufen zu gehen.
Insgesamt gibt es neun Great Walks hier in Neuseeland. Ein Great Walk ist eine mehrtägige, besonders schöne Wanderung in einem der Nationalparks. Man muss im voraus die Hütten buchen, in denen man übernachten möchte. Insgesamt gibt es bei diesem Great Walk 5 Hütten und mehrere Campingplätze auf der Strecke, von denen wir uns drei Hütten gebucht hatten. Unser Plan war es also, die 46 km von diesem Great Walk in vier Tagen zu laufen. 46 km ist zwar nicht besonders viel, aber da der Lake Waikaremoana mitten im Gebirge liegt, muss man einige Höhenmeter absolvieren. In den Hütten gibt es immer Hochbetten mit Matratzen, einen Feuerofen, Feuerholz, Komposttoiletten und Spülbecken, die mit Wasser aus den Regentonnen betrieben werden. P1070476a P1070474aDieses (Regen-)Wasser dient auch als Trinkwasser, da man nicht genug Wasser für 4 Wandertage mitschleppen kann und will. Generell kann man das Wasser sofort trinken, aber es wird immer empfohlen, das Wasser vor dem Trinken abzukochen, oder Tabletten zu verwenden, die zur Trinkwasseraufbereitung dienen. Also alles sehr einfach, aber für eine solche Wanderung vollkommen ausreichend.
Alles was man darüber hinaus braucht, muss man mitbringen. Sprich: Wir brauchten für 3 Übernachtungen (4 Wandertage) Abendessen (3kg Nudeln), Frühstück (Haferflocken mit Honig), Snacks für Zwischendurch (Müsliriegel, Äpfel), Gaskocher (incl. Gasflaschen), Schlafsack, Klamotten für Abends (zum Wechseln), etc. Also schon recht viel.
Nachdem wir alles im Supermarkt in Rotorua eingekauft hatten, haben wir noch eine Mail an das Partnerbüro in Auckland geschrieben, dass wir für 4 Tage diese Tour machen. Es wird sehr stark empfohlen, jemandem Bescheid zu sagen, von wann bis wann man solch eine Tour macht! Diese Strecken sind nämlich immer sehr weit weg von der Zivilisation und in den meisten Fällen auch komplett ohne Handynetz. Sollte etwas zwischendurch passieren, muss es jemand geben, der nach einigen Tagen (wenn man schon hätte zurück sein sollte) Alarm schlägt, sodass ein Suchtrupp kommen kann und einen rettet.
Also auch diese Mail erledigt war, sind wir dann mit den beiden Autos (von Christina und von uns) zum See gefahren, um den die Wanderung geht.
Der Weg dorthin war recht abenteuerlich, da der Großteil der Strecke nur aus unbefestigten (Schotter-)Straßen bestand, und wir für die gerade mal knapp 70km durch die Bergkette ungefähr drei Stunden gebraucht haben. Der Weg ging teilweise in Serpentinen durch das (Hoch-)Gebirge, und teilweise waren die Gesteinsbrocken, die wir umfahren mussten, so zahlreich, dass wir aussteigen mussten, um diese von der Straße zu werfen. Oder aber, wir mussten warten bis die Kühe oder Pferde, die sich auf der Straße oder am Straßenrand aufhielten, uns Platz gemacht haben…20160518_161114a

Am Lake Waikaremoana angekommen, sind wir erstmal auf einen sehr einfachen (also nur mit Kompostklo und ohne fließendes Wasser) Campingplatz gefahren, um dort die gekauften Sachen gleichmäßig auf die drei Rucksäcke zu verteilen, und dann dort die Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen haben wir Christinas Auto am Ende der Wanderstrecke abgestellt, und sind die 30km zum Start mit unserem Auto gefahren. Für diese 30km haben wir – wieder auf für unser Auto sehr ungeeigneten Straßen – etwa eine Stunde gebraucht. Am Start war es sehr windig, weshalb wir uns erstmal warm einpacken mussten, bevor wir aufbrechen konnten. Danach haben wir dann endlich die Rucksäcke umgeschnallt und ein Startfoto gemacht.DSC05167a

Aber dann konnte es gegen 10.15 Uhr los gehen!
Der erste Tag [Onepoto zur Panekire Hut, 9km] (Donnerstag) war sofort ein hartes Stück Arbeit. Mit noch komplett vollen Rucksäcken mussten wir ungefähr 600 Höhenmeter bezwingen, um zur ersten Hütte zu gelangen. Da der Weg die meiste Zeit durch den Wald ging, und dadurch sehr windgeschützt war, mussten wir nach sehr kurzer Zeit sofort die erste Pause einlegen, um die Hälfte der Kleidung, die wir am Anfang wegen dem kalten Wind angezogen hatten, wieder einzupacken. Hier auf dem steilen und unebenen Weg über Wurzeln und Steine, war uns plötzlich viel zu warm. P1070576aAber wir wurden, umso höher wir kamen, mit immer schöneren Aussichten über den See und die Umgebung belohnt. Zum Glück hatten wir an diesem Tag gutes Wetter! Es wäre sonst sehr schade gewesen, dieses Panorama nicht sehen zu können.P1070394a P1070424_stitcha Nachdem wir die starke Steigung zum größten Teil überstanden hatten, mussten wir noch einige Kilometer auf dem Bergkamm laufen, auf dem sich für uns ein unglaublicher Blick nach dem anderen eröffnete. Wir haben immer wieder Pausen gemacht, um den Blick zu genießen und Fotos zu machen. DSC05220a P1070431aDSC05215aP1070441aNach vielleicht 4.5 Stunden kam dann noch eine sehr steile Treppe (zur Abwechslung mal eine richtige Holztreppe), die uns nach dem sowieso anstrengenden Weg dann endgültig fertig gemacht hat. Aber dann hatten wir es wenige Minuten später endlich geschafft, und wir sind an unserer ersten Hütte angekommen. P1070467_stitchaDie Hütte war auf einer Bergkuppe, und auch von hier hatten wir eine super Aussicht über den Bergsee. Auf dem Weg zu diesem ersten Übernachtungsplatz hatten wir noch zwei weitere Gruppen getroffen (ok, eigentlich hatten wir sie überholt), die auch zu dieser Hütte gelaufen sind. Nach und nach kamen alle dort an (drei Deutsche in der einen Gruppe, und zwei Neuseeländer und ein Amerikaner in der anderen Gruppe). Nach einigen Fehlversuchen, haben wir es dann auch endlich geschafft, die einzige Wärmequelle in der Hütte, ein Feuer im Ofen, zu entfachen. Zu neunt haben wir uns dann bis zum Abend um die Feuerstelle gesetzt. Zum Glück war es nicht noch voller, ansonsten wäre es sehr eng geworden.IMG-20160523-WA0004a DSC05243a
Am Abend gab es dann, dank des mitgebrachten Gaskochers, für Christina, Daniel und mich 1kg Nudeln mit Ketchup zu essen. Nach dem Essen ging es dann auch recht früh ins Bett (so gegen 8 Uhr vielleicht), besser gesagt, wir haben uns mit unseren Schlafsäcken auf die vorhandenen Matratzen in den Hochbetten gelegt, was gar nicht mal so unbequem war. Insgesamt gab es in dieser ersten Hütte (eine der größeren) 38 Schlafplätze. Aber weil der Mai im Herbst, und damit in der Nebensaison, liegt, war es sehr leer und wir hatten sehr viel Platz für uns.

Am nächsten Morgen [Panekire Hut zur Waiopaoa Hut, 8km] (Freitag) haben wir versucht den Sonnenaufgang über dem See zu sehen, aber leider waren wir mitten in einer Wolke, und wir konnten absolut nichts sehen. Also sind wir wieder zurück in die Hütte gegangen, um uns wieder ans Feuer zu setzen und dann etwas später zu frühstücken. Nachdem wir dann unsere Haferflocken mit Honig, Milchpulver + Wasser und einem Apfel gegessen hatten, und alle Sachen wieder in den Rucksäcken verstaut hatten, ging es für uns gegen 10.30 Uhr weiter zur nächsten Hütte. Dieser Tag hatte etwa gleich viele Höhenmeter wie der erste, diesmal allerdings bergab. Wir sind an sehr beeindruckenden, moosbewachsenen kleinen Bäumen vorbeigekommen, was aussah wie in einem Märchenfilm. P1070407aDSC05254aObwohl dieser Abschnitt eigentlich 4 Stunden dauern sollte, waren wir nach gerade mal 2.5 Stunden an der nächsten Hütte. Dort haben wir dann Feuerholz gehackt und damit den Ofen befeuert. Diese Hüte lag nur wenige Meter neben dem See, und wir konnte die Zeit genießen, indem wir an den Strand gegangen sind, oder mit den anderen Deutschen Karten gespielt haben.P1070494a P1070496a
Am Abend haben wir dann wieder unsere nächste Portion Nudeln gekocht und sind dann wieder gegen 20 Uhr schlafen gegangen. Hier in Neuseeland haben wir (leider) schon Herbst, weshalb es schon gegen 17 / 17.30 Uhr dunkel wird und man dann auch recht früh schlafen gehen möchte. Insbesondere nach so anstrengenden Tagen, wie hier bei dem Great Walk.

Der dritte Wandertag [Waiopaoa Hut zur Marauiti Hut, 12km] (Samstag) begann wie der zweite auch mit einer ordentlicher Portion Müsli, und dem Zusammenpacken all unserer Sachen. Diesmal mussten wir nicht so viele Höhenmeter bewältigen, sondern der Weg ging über viele kleine Hügel, über Hängebrücken, Stege und kleinen Bachläufen die meiste Zeit über an der Küste des Sees entlang. Nachdem wir wieder gegen 10.30 Uhr los gelaufen sind, gab es nach circa einer guten Stunde einen 30 minütigen (für eine Strecke) Abstecher zu einem Wasserfall in der Nähe. Wir haben daher unsere Rucksäcke am Hauptweg gelassen, und sind 30 Minuten zum Wasserfall gelaufen, und danach die gleiche Strecke wieder zurück. Es hat sich schon sehr gut angefühlt, mal eine Stunde ganz ohne Rucksack zu laufen, sondern nur die Kamera dabei zu haben.P1070553a
Zurück am Hauptweg haben wir dann die anderen drei Deutschen getroffen, die erst mit dem Weg zum Wasserfall anfingen, und über den Tipp die Rucksäcke dort zu lassen, ganz froh waren.
Wir sind dann etwas weiter gewandert, um dann mit den drei aus der anderen Gruppe Pause zu machen, und ihnen beim Angeln zuzuschauen. Wir sind dann nach einer 20 minütigen Pause weiter gelaufen, und haben damit wieder beide Gruppen hinter uns gelassen. P1070572aSo früh weiterzulaufen war eine ganz gute Entscheidung, da es nach kurzer Zeit angefangen hat zu regnen. Aber mit Regenjacke und Rucksackschutz wurde man wenigstens nicht komplett Nass. Leider hat sich der Weg aber immer mehr in ein Matschfeld verwandelt, über das man sich einen – möglich trockenen – Weg suchen musste. Nach einer gefühlten Ewigkeit bei immer stärker werdenden Regen, sind wir dann gegen 16.45 Uhr (also kurz vor Sonnenuntergang) an der nächsten Hütte angekommen. Wir waren sehr froh, als endlich das Feuer im Ofen brannte, und wir unsere Kleidung zum trocknen aufhängen konnten. Jetzt haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, Wechselklamotten wassergeschützt dabei zu haben. Ansonsten hätten wir uns nichts warmen anziehen können. Aber so war es in der Hütte ganz gemütlich!P1070586a
Dreißig Minuten später kam dann die andere Deutsche Gruppe in der Hütte an, und die drei waren auch sehr froh, dass die Hütte schon langsam durch das Feuer warm wurde, und sie selbst nicht erst noch Feuer machen mussten. Die dritte Gruppe hatte leider nicht so viel Glück, da sich einer von ihnen einen Fuß umgeknickt hatte, und nicht mehr laufen konnte. Daher musste einer seiner Gruppenmitglieder für mehrere Stunden (es ging natürlich jetzt sehr langsam voran) zwei Rucksäcke tragen, um den Verletzten zu entlasten. Auf selbstgebauten Krücken gestützt kamen die drei erst gegen 20 Uhr (gefühlt mitten in der Nacht) erschöpft, durchnässt und hungrig bei der Hütte an.
Der Great Walk hat keinen Handyempfang, sodass man nur sehr schwer (eigentlich gar nicht) Hilfe rufen kann. Man muss es immer irgendwie zu einer der Hütten schaffen, wenn man nicht im Wald übernachten will, bis Tage später ein Rettungstrupp losgeschickt wird.
Zum Glück lag die Hütte direkt am See, sodass der Neuseeländer mit seinem gebrochenen / verstauchten Fuß (der Fuß sah echt nicht gut aus) bei der Hütte bleiben konnte, und dann am nächsten Tag mit einem Boot abgeholt werden konnte. Die anderen beiden Gruppen hatten nämlich vom Ende der Tour (am nächste Tag) ein Wassertaxi bestellt, da sie dort kein am ende Auto geparkt hatten, und es ansonsten keine Transportmöglichkeit aus dem Nationalpark gibt. Währe der Unfall bei der ersten Hütte auf dem Berg passiert, wäre die Sachen schon komplizierter gewesen. Ich vermute, dass dahin dann ein Hubschrauber (es gab dafür extra einen Landeplatz) hätte kommen müssen, um den Verletzten abzuholen.

Der letzte Tag [Marauiti Hut zum Hopuruahine Landing, 17km] (Sonntag) war mit ca. 17km die längste Teilstrecke von diesem Great Walk, weshalb wir schon gegen 9 Uhr morgens los gelaufen sind, um auf jedenfall noch im Hellen das Auto zu erreichen. Zum Glück hatten wir schon Großteile des Proviants (Nudeln, Haferflocken, Müsliriegel) aufgegessen, wodurch unsere Rucksäcke merklich leichter waren als die Tage zuvor.P1070602_stitchbaDSC05271a Auch an diesem Tag ging es die meiste Zeit relativ flach am See entlang, mit Ausnahme von zwei etwas höheren Hügeln, über die wir uns noch mühen mussten. Aber durch den relativ leichten Weg, dem geringeren Gewicht der Rucksäcke, und dem zum Glück wieder sonnigen Wetter, kamen wir sehr zügig voran. Teilweise waren die Wege zwar noch sehr matschig und rutschig, aber es hätte viel schlimmer sein können, wenn es die ganze Zeit durchgeregnet hätte. Auf diesem Teilstück kamen uns auch mehrere Gruppen entgegen, die den Great Walk genau rückwärts laufen, und gerade erst angefangen hatten. Nach knapp 6 Stunden kam dann die letzte Hängebrücke in Sicht, auf dessen anderen Seite Christinas Auto auf uns wartete! DSC05284aGlücklich, aber etwas erschöpft, konnten wir ein letztes Abschlussfoto machen, und dann mit dem Auto zum Start der Strecke fahren, wo das zweite Auto wartete.

Wir sind dann noch ca. 90 Minuten in die nächstgrößere „Stadt“ Wairoa (ca. 4200 Einwohner) gefahren, wo wir uns Kartoffeln (zur Abwechslung mal!) gekauft haben, die wir dann nach einer heißen und langen Dusche auf dem Campingplatz gekocht haben. Hier sitzen wir heute (Montag) in der Bücherei im trockenen und warmen, und ruhen uns erstmal aus. Wir haben uns hier auf dem Campingplatz für eine weitere Nacht eingebucht, damit wir heute nicht weiter fahren müssen. Wohin es danach geht wissen wir noch nicht. So wie immer eigentlich..

Aber die Wanderung in den letzten Tagen war ein super Erlebnis, welches zwar sehr anstrengend war, aber mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hoffe, ich werde hier in Neuseeland noch den ein oder anderen der acht weiteren Great Walks machen! Denn das war es wirklich: Ein Great Walk!

1 Kommentar

  1. Also Jens, wir sind froh, dass wir vorher nicht gewusst haben, wie abenteuerlich Eure Wanderung sein wird. Es war wirklich sehr spannend zu lesen.
    Habt ihr genug Taschenlampen bei Euch, die immer aufgeladen sind. Wenn es dunkel wird, könnt ihr dann den Weg erkennen.
    Habt ihr noch Kontakt zu dem Verletzten, geht es ihm einigermaßen ? Es ist ja schon ziemlich gefährlich und dramatisch, wenn sich jemand in solch einer Einsamkeit verletzt. Man kann so eine Wanderung nur mit einer Gruppe machen.
    Super Erlebnis, Jens !

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