Great Walk: Kepler

Von Bluff bin ich in den nächsten Tagen Richtung Fiordland gefahren. Im Fiordland (genauer in Te Anau, mit ca. 2000 Einwohnern eine richtige Metropole hier im Fiordland) angekommen, bin ich als erstes zur Touristeninformation gegangen, um zu schauen, was ich die nächsten Tage hier in der Gegend machen möchte.
Gleich neben Te Anau, gibt es einen weiteren Great Walk, den Kepler Track. Der Kepler Track ist ein ca. 60 km langer Rundweg. Er startet neben dem Lake Te Anau (ca. 210m über NN) und geht bis auf ca. 1400 m über NN. Es gibt drei Hütten auf dieser alpinen Wanderung (jeweils ungefähr 15km auseinander), weshalb der Weg für vier Tage angelegt ist.p1120455_stitch Leider wurde mir in der Touristeninformation gesagt, dass es nach der ersten Hütte zu viel Schnee gibt, bzw. die Lawinengefahr zu hoch ist um weiter als die erste Hütte zu laufen. Ich habe mich daher dazu entschieden, zur ersten Hütte (ca. 1000 m über NN) zu laufen, dort zu übernachten und dann wieder den gleichen Weg zurück zu gehen. Ich wollte auf keinen Fall etwas riskieren, zumal ich alleine unterwegs bin.

p1120409Der erste Teil des Wegs ging die erste Stunde am See entlang und dann plötzlich in steilen Serpentienen  durch den Wald nach oben. Nach vielleicht zweieinhalb Stunden veränderten sich die Bäume sichtlich, und ich kam zur Baumgrenze. Oberhalb der Baumgrenze versperrten endlich keine Bäume mehr die Sicht, und ich hatte das erste Mal auf dieser Wanderung eine super Aussicht über den See und die schneebedeckten Berggipfel. Ich war sehr zügig unterwegs! Nach nur drei Stunden (anstatt geplanten 6) bin ich in der Luxmore Hut angekommen und war gegen 13 Uhr damit der erste! p1120439Die Hütte ist sehr gut ausgestattet: Insgesamt gibt es 54 Betten in zwei Schlafsälen, einen Aufenthaltsraum und… Toiletten mit Wasserspülung! Auf den meisten Wanderungen und günstigen Campingplätzen gibt es nur Trockentoiletten. Im Sommer (bzw. ab Ende Oktober, wenn die Saison beginnt) gibt es hier auch Gaskocher. Dann kosten die Hütten auf dem Kepler Track allerdings auch 54 NZD, anstatt 15 NZD zur Zeit.p1120490_stitch p1120522_stitch

Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, kamen zwei Deutsche an der Hütte an, die mit leichtem Gepäck nur eine Tageswanderung zur Hütte machen, auf den Gipfel vom Mount Luxmore (1,472 m über NN) laufen wollen, und dann wieder bergab nach Te Anau gehen. Ich habe also mein Gepäck in der Hütte abgestellt und bin mit den beiden zusammen ca. eine Stunde bis zum Gipfel gelaufen. Der Weg wurde etwas ruppiger und war stellenweise mit vielleicht 20 cm Schnee bedeckt. Aber es war kein Problem zu laufen, da sich andere schon einen Weg durch den Schnee gebahnt hatten. Die letzten 10 Minuten ging es einen Seitenweg ab (bis dorthin war es der normale Weg zur nächsten Hütte), auf dem im Winter nicht so viele unterwegs sind. p1120473p1120481 Wir sind daher über Geröll gelaufen (der Weg an sich müsste da auch ungefähr gewesen sein), um möglichst nicht im Schnee zu versinken. Aber die Aussicht vom Gipfel war bei dem perfekten Wetter einfach super, und es hat sich gelohnt diesen Extraweg zu machen. Vor allem da ich am nächsten Tag ja wieder zurück nach Te Anau laufen wollte! Zu dritt ging es dann zurück zur Hütte, in der sich mittlerweile ein paar andere Wanderer eingefunden haben.p1120530 p1120533_stitch p1120562

Einige der ca. 40 Wanderer, die diese Nacht in der Luxmore Hut geschlafen haben, wollten am nächsten Tag weiter über die Berge laufen, um den gesamten Kepler Track zu machen! Und auch die beiden Ranger, die in der Hütte stationiert waren, meinten, dass es ohne Gefahr möglich war, weiter zu laufen. Der Winter war so mild, dass der Großteil des Schnees mittlerweile geschmolzen ist, und die Lawinengafahr vorüber war.p1120549_stitchd

Die Wanderung zur ersten Hütte war schon super schön! Aber ich war mir sicher, dass der nächste Abschnitt zur zweiten Hütte noch wesentlich schöner sein würde. Ich habe mich daher spontan dazu entschieden mit Essen für zwei Tage, innerhalb von drei Tagen die Vier-Tageswanderung zu machen! Das hieß, ich konnte nur die Hälfte der für den Abend mitgebrachten Nudeln essen, und auch das Frühstück musste ich rationieren. Außerdem musste ich eine der nächsten beiden Hütten überspringen und an einem Tag anstatt 15 km 30 km absolvieren.
Am nächsten Tag bin ich also früh am Morgen als einer der ersten weiter gewandert. Die Stecke war atemberaubend! Echt unglaublich! p1120569 p1120583_stitchÜber verschiedene Bergrücken und über mehrere Gipfel ging es mitten durch das Gebirge! Durch bis zu 20 cm tiefen Schnee ging es auf bis 1400 m über NN, auf Augenhöhe mit den anderen schneebedeckten Gipfel überall um einem herum. Ich musste andauernd stehenbleiben, habe hunderte Fotos gemacht und konnte einfach nicht glauben, wie schön es war. Video1 Video2

p1120600_stitchIch denke es war die bisher beste Wanderung hier in Neuseeland! – Und ich habe schon einige super Wanderungen gemacht! Die Bilder sind nicht einmal annähernd so schön wie die Realität! Und ich wusste, es war auf jedenfall die richtige Entscheidung gewesen, weiter zu laufen. Es wäre viel zu schade gewesen, diese Wanderung nicht gemacht zu haben. Vor allem an einem Tag mit so gutem Wetter (denn hier im Fiordland regnet es unglaublich viel)!p1120629 p1120654

Auf dem Weg habe ich ein Paar aus Tschechien getroffen (bzw. ich habe deren 30 minütigen Vorsprung eingeholt). Nachdem wir uns mehrmals gegenseitig geholfen haben, den Moment auf Fotos festzuhalten, haben wir uns dazu entschieden den Rest der Strecke zusammen weiter zu laufen. Inklusive unzähliger Fotostopps!p1120680 p1120705_stitch

Zu dritt ging es „relativ flach“ weiter über die Bergrücken und vorbei an zwei Notfallhütten und vielleicht 10 Kea. Die Kea sind sehr dreiste Vögel, die sich auf wenige Zentimeter an einen nähern und um Futter betteln. Dabei muss man sehr aufpassen, dass sie nicht den Rucksack kaputt picken. p1120624 p1120728 p1120735 p1120757Gegen Mittag ging es dann wieder steil bergab. In engen Serpentienen ging es von ungefähr 1250 Metern auf 500 Metern runter.p1120832

Gegen 14 Uhr sind wir dann bei der nächste Hütte, der Iris Burn Hut (500 m über NN) angekommen. Wir drei waren die einzigen in der Hütte, da der Rest der Wanderer erst in den nächsten paar Stunden hier ankommen würde. Die beiden Tschechen hatten ebenfalls vor, den Kepler Track in nur drei Tagen zu machen! Allerdings nicht – wie ich – aus Nahrungsknappheit (ich hatte ja eigentlich nur zwei Tage eingeplant), sonder weil sie nur wenige Wochen in Neuseeland sind und nicht so viel Zeit haben. Wir sind also nach einer halben Stunde Mittagspause weiter gelaufen.p1120842 Die zweiten 15 km des Tages gingen nur über zwei vielleicht 100 Meter hohen Hügeln und war ansonsten (zu Glück!) relativ flach. Auch so war es schon sehr anstrengend eine so weite Wanderung zu machen. Gegen 19 Uhr, nach ungefähr 10 Stunden Gebirgswanderung, sind wir dann endlich (!!) an unserem Ziel angekommen. Die Moturau Hut liegt gleich neben dem Lake Manapouri auf ca. 180 m über NN. Man hat eine super Aussicht über den See, aber nach dieser spektakulären Wanderung über die Gipfel der Berge ist man einfach gesättigt! Nach dem Abendessen (die zweite Hälfte der mitgebrachten Nudeln) ging es dann auch bald Schlafen. Wohlverdient, wie ich finde.p1120847_stitch p1120856 p1120858_stitch

Ich war so müde, dass ich von allen in der Hütte (ca. 15 Personen) am längsten geschlafen habe! Bis 8.15 Uhr! Nach dem Frühstück (Müsli mit Wasser) ging es dann zu dritt weiter in Richtung der Autos! Der Weg ging die meiste Zeit einem Fluss entlang durch den Wald. Das Wetter hat sich etwas verschlechtert und es hat angefangen zu regnen. Was für ein Glück den schönsten Teil des Great Walks schon hinter sich zu haben! Hier im Wald ist es egal ob es regnet oder nicht, aber es wär sehr schade gewesen, wenn die Aussicht vom Vortag durch den Regen verhindert worden wäre!p1120745_stitchp1120773_stitchg

Müde, aber sehr glücklich sind wir zurück zum Parkplatz gekommen. Die Wanderung war geschafft! Zum Glück habe ich mich spontan dazu entschieden die gesamte Strecke zu laufen (auch wenn ich dafür nicht sehr gut vorbereitet war). So wurde nämlich aus einer sehr schönen Wanderung die bisher vielleicht beste meines Lebens! Ein unglaublicher Great Walk, den ich – bei gutem Wetter – nur empfehlen kann!