Great Walk: Abel Tasman Nationalpark

In den letzten drei Tagen haben wir endlich unseren zweiten Great Walk gemacht: den Abel Tasman Coast Track! Der Abel Tasman Nationalpark liegt im Norden der Südinsel. Es ist ein Waldgebiet direkt am Meer gelegen, mit goldenen Sandstränden, unzähligen Buchten und klarem grün-blauem Wasser. Im Sommer ist dies hier ein wahres Massentourismusgebiet mit unzähligen Besuchern auf dem Land und auf dem Wasser, aber jetzt im Winter ist es sehr ruhig, und es sind nur wenige Personen im Nationalpark unterwegs.P1090277_stitcha

Da der Great Walk an der Küste liegt, ist es möglich, Teile der Strecke mit dem Kayak zu fahren. Ursprünglich wollten wir uns schon am Samstag zwei Kayaks ausleihen, um damit den Great Walk zu starten, aber leider war es dafür zu windig, sodass wir nur eine geführte Tour hätten machen können. Wir mussten also einen Tag warten, um uns die Kayaks ausleihen zu können. Aber es hat sich vollkommen gelohnt, den einen Tag mehr zu warten! Wir hatten die 3 Tage, die unser Great Walk ging, super Wetter: Es war sowohl tagsüber, als auch Nachts kaum eine Wolke am Himmel. Morgens war es zwar ziemlich kalt und es hat jede Nacht gefroren, aber tagsüber, bei strahlendem Sonnenschein und immer in Bewegung, war es teilweise sogar eher zu warm als zu kalt.05d4c039-31cc-43d9-b6f5-8c3a71ab0b27 P1090329a

Wir sind also am ersten Tag (Sonntag) nach einer 90 minütigen Sicherheits- bzw. Vorbereitungseinweisung, bei dem wir mit Neoprenanzügen, -socken und Schwimmwesten ausgestattet wurden, losgefahren. Ich im Einzelkayak und Christina und Daniel, die sich beide nicht getraut haben im wackeligen Einzelkayak zu fahren, im Doppelkayak. P1090386aWir sind die wunderschöne Küste entlang gefahren, haben Abstecher zu den beiden Inseln gemacht, und konnten an mehreren Stränden unter strahlend blauem Himmel Pause machen. Nach ungefähr zwei drittel der Tagesstrecke (also nach ca. 3-4 Stunden) kamen wir zu der ersten Hütte vom Great Walk, bei der wir aber nur Pause gemacht haben. Dort wurden wir von einem Parkranger mit den Worten „Another shitty day in paradise“ begrüßt. Und er hatte damit recht: Der Abel Tasman Nationalpark kommt schon sehr nah an das ran, was man sich unter Paradies vorstellt! Aber hier konnten wir noch nicht bleiben: Unser Ziel für den Tag war nämlich die zweite Hütte (Bark Bay), die wir nach einer weiteren vielleicht 2 stündigen Tour durch sehr ruhige Gewässer erreicht haben.P1090339_stitcha

In der Hütte haben wir zuerst unsere nassen Neoprenanzüge mit trockener Kleidung ausgetauscht, ein Feuer im Ofen gemacht, und dann angefangen Wasser auf der Feuerstelle warm zu machen. Weil wir nach dem sportlichen Tag ziemlichen Hunger hatten und das Wasser auf dem Ofen noch zu lange gedauert hätte, haben wir die ersten 500g Nudeln (ja, wie beim letzten Great Walk gabs pro Tag immer 1kg Nudeln für drei Personen) mit dem mitgebrachten Gaskocher gekocht. Später haben wir dann die zweite Portion Nudeln auf dem mittlerweile sehr heißen Feuerofen kochen können (ist irgendwie cooler und wir sparen Gas). Den Rest des Abends haben wir uns etwas mit den drei anderen (einem Franzosen und Vater und Tochter, aus England eingewanderte „neu Neuseeländer“), die in der Hütte übernachtet haben, unterhalten, oder einfach nur neben dem warmen Feuer gesessen und die Zeit genossen. Ziemlich früh ging es dann ins Bett.P1090333_stitcha

Am nächsten Morgen sind wir nach einer ordentlichen Portion Porridge gegen 10 Uhr weiter gekayakt. Diesmal war es nicht so weit, sondern wir waren nach einer knappen Stunde an der Stelle, an der wir die Kayaks am Nachmittag liegen lassen sollten (sie werden mit dem Boot abgeholt). Daniel hatte keine Lust mehr, sich in der an dem Tag etwas raueren – aber trotzdem noch sehr gut befahrbaren – See anzustrengen. Darum haben Christina und ich uns nochmal mit dem Doppelkayak auf den Weg gemacht, die Gegend etwas weiter zu erkunden. Wir sind zu Shag Harbour, einer nur bei Flut erreichbaren, durch Felsen sehr geschützte Bucht, gefahren. Und es war traumhaft! Draußen auf dem Meer war es sehr windig und wellig, aber nachdem man die Felsen zur Bucht umrundet hatte, war es dort absolut windstill, das Wasser war wenige Meter tief und absolut klar. Das Highlight war eine kleine Robbe, die hier im seichten Wasser herum geschwommen ist. P1090419a P1090418aIch hatte das Gefühl, dass die Robbe mit uns gespielt hat. Sie ist nämlich immer bis kurz vors Boot geschwommen und dann untergetaucht, oder hat uns von einem der Steine aus beobachtet. Die Robbe hat uns bestimmt eine halbe Stunde lang umrundet, bis wir leider diesen unglaublichen Ort wieder verlassen mussten, weil wir pünktlich zurück sein mussten, um die Kayaks abzugeben. Aber Shag Harbour war so ruhig, friedlich und einfach wunder schön, dass es für mich das Highlight des ganzen Great Walks war, sich in der Bucht mit dem Kayak einfach treiben zu lassen!P1090458aP1090426a

Als wir dann gegen 14 Uhr zurück bei Daniel waren, die Kayaks am Strand abgestellt hatten, und all unser Gepäck in den Rucksäcke verstaut war, „mussten“ wir uns zu Fuß zur nächsten Hütte auf machen. Der Weg hat ca. 2 Stunden gedauert, war dafür aber relativ steil, weil die Strecke über einen Berg führte. Es war schon etwas ganz anderes, mitten im Nationalpark zu wandern, und nicht nur alles vom Wasser aus zu sehen.P1090522a P1090476a

Auch an der nächsten Hütte mussten wir dann Feuer machen, Nudeln kochen und unsere Schlafsäcke auf den Matratzen ausbreiten. Sowohl an dem Abend bei der Awaroa Hut, als auch den Abend zuvor an der Bark Bay Hut, hatten wir ein fast wolkenlosen Himmel, was uns eine unglaubliche Aussicht auf den Sternenhimmel ermöglichte! Aber leider hieß das auch, dass es in der Nacht draußen sehr kalt wurde. In der Hütte war es – anders als vermutet – zum Glück nicht zu kalt, sodass man einigermaßen gut schlafen konnte.P1090366_stitcha

Am Morgen des letzten Tages (Dienstag) mussten wir dann leider früh aufstehen. Die ersten 25 Minuten unseres Weges ging nämlich durch die Awaroa Bucht, die nur 2 Stunden um Ebbe herum passierbar ist (und es gibt keinen alternativen Weg). Da an diesem Tag morgens um 7 Uhr Ebbe war, muss wir uns spätestens gegen 8 Uhr auf den Weg machen. Allerdings konnte man – trotz Ebbe – nicht trockenen Fußes durch die Bucht wandern, da in der Mitte ein kleiner Fluss fließt. Wir mussten also Barfuß durch das eiskalte Wasser (es hatte in der Nacht gefroren und die Sonne ist gerade erst aufgegangen) laufen. Ich habe richtig gemerkt, dass mein Kreislauf das nicht besonders toll fand, durch das eiskalte Wasser zu waten. Die Füße hat man nach 2 Minuten nicht mehr gespürt, sodass die Muscheln, über die wir laufen mussten, kaum mehr gestört haben. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir ENDLICH am anderen Ende der Bucht angekommen, und konnten unsere Socken und Schuhe wieder anziehen (glaubt mir, mir war es vollkommen egal wie dreckig meine Schuhe und Socken dadurch wurden!). P1090513aDie ersten paar Minuten hab ich richtig gemerkt, wie meine Füße ganz langsam wieder aufgetaut sind und sich der Sand in meinen Socken abgesetzt hat. Wir sind an einem gefrorenen (!) Tümpel vorbeigekommen und haben dann nach einem kurzen Marsch einen der unzähligen Campingplätze hier im Nationalpark erreicht. Nachdem wir dort eine Pause eingelegt hatten, ging es auch einigermaßen wieder mit den Füßen. Unseren Zielort (Totaranui Campingplatz), an dem wir mit dem Wassertaxi abgeholt wurden, haben wir dann nach weiteren 2 Stunden erreicht. Hier konnten wir uns etwas entspannen (am goldenen Sandstrand lesen.. traumhaft!) und einen einstündigen Rundweg machen.P1090534_stitcha

Mit dem Wassertaxi sind wir dann in Totaranui abgeholt worden und zurück zu unseren Autos in Marahau gefahren. Ich konnte während der Bootstour ein paar mehr Fotos vom Nationalpark vom Wasser aus machen (aus einem etwas stabilerem Boot heraus). Leider endete dann leider schon unser zweiter Great Walk. Insgesamt gibt es 9 Great Walks hier in Neuseeland, sodass wir hoffentlich noch den ein oder anderen davon machen können – wir werden sehen. P1090549a

P1090545aInsgesamt war das eine abwechslungsreiche, sehr sehr schöne 3-Tages-Tour durch den Abel Tasman Nationalpark. Ein weiteres Highlight unserer bisherigen Neuseelandreise!

2 Kommentare

  1. „Daniel hatte keine Lust mehr“ war eher ein „Daniel wollte nichts riskieren, da alle unsere Sachen in den Kayaks waren und es sehr windig und das Wasser sehr rau war. In Windrichtung weiter zu fahren würde im Zweifel heißen dass man es nicht mehr (trocken) zurück schafft. Und wir waren alle recht erschöpft.“

  2. Hallo Jens,

    diese Kajaktour scheint ja besser geglückt zu sein als Deine und Johanns Tour auf der Sieg ! Gott sei Dank ! Aber im eiskalten Wasser zu waten, das ist eine große Herausforderung, auch wenn ihr euch im „paradise“ befindet ! Mir ist es schon bei 18°C am Meer im Wasser zu kalt ! Reichen denn 1 kg Nudeln zu dritt ? Ich denke, ihr müsst richtig Kohldampf schieben oder ? Aber zurück in der Zivilisation könnt ihr euch ja jetzt mit Essen wieder voll stopfen.
    Übrigends, in der Nacht zum Freitag soll man bei uns Sternschnuppen sehen können, ca. 170 pro Stunde ab 12.00 Uhr, glaube ich. Höhepunkt soll um 2.00 Uhr in der Nacht sein. Ob ihr in Neuseeland in der klaren Luft auch Sternschnuppen sehen können, zeitversetzt natürlich ?
    Viele Grüße, Papa

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